21. Juni 2026
Der CCD-Look der Olympus XZ-1 — was andere Fotograf:innen dazu sagen
Nachdem ich neulich schon von meiner XZ-1 geschwärmt habe, wollte ich es genauer wissen: Bilde ich mir den besonderen „CCD-Look" nur ein, oder sehen das andere Fotograf:innen ähnlich? Ich habe mich durch Reviews, Foren und Blogs aus Deutschland, den USA und Japan gewühlt — hier ist, was dabei herausgekommen ist.
Eine kurze Geschichte der Kamera
Die XZ-1 erschien Anfang 2011 und war die erste Kompaktkamera, der Olympus das sonst nur DSLR-Objektiven vorbehaltene Zuiko-Label verpasste. Zum Marktstart kostete sie rund 479 Euro und positionierte sich klar im Premium-Segment — als Konkurrenz zu Kameras wie der Canon PowerShot G12, der Panasonic LX5, der Nikon Coolpix P7000, der Fujifilm X100 und sogar der Leica X1.
Ein für seine Klasse großer Sensor
Mit ihrem 1/1,63″-CCD gehörte die XZ-1 2011 zu den Kompaktkameras mit dem größten Sensor ihrer Klasse — nur die Panasonic LX5 spielte in derselben Liga, während Canon G12, Nikon P7000 und Ricoh GRD III mit kleineren 1/1,7″-Sensoren auskommen mussten. In japanischen Nutzerforen hält sich übrigens hartnäckig das Gerücht, der verbaute CCD stamme eigentlich von Panasonic — offiziell bestätigt ist das nicht, ich würde das eher als Insider-Anekdote denn als gesicherte Tatsache einordnen.
Was macht den „CCD-Look" eigentlich aus?
Hier wird es spannend, denn die Meinungen gehen auseinander. Mehrere deutsche und Schweizer Quellen beschreiben CCD-Bilder als weicher und organischer im Vergleich zum oft als „klinisch" empfundenen Look moderner CMOS-Sensoren. Auch ein aktueller englischsprachiger Foto-Blog bestätigt diesen Eindruck: satte, organische Farben, besonders bei Hauttönen und Grüntönen — mit dem Zusatz, dass moderne CMOS-Sensoren in jeder messbaren Hinsicht objektiv überlegen seien.
Nicht alle sehen das so romantisch. Ein technisch versierter Kommentator widerspricht deutlich: CCD und CMOS würden auf demselben physikalischen Prinzip beruhen, sichtbare Unterschiede seien fast immer der Bildverarbeitung — etwa Tone-Mapping und Rauschunterdrückung — geschuldet, nicht dem Sensor selbst. Er ordnet den aktuellen CCD-Hype eher als Mode-Phänomen unter jungen Leuten ein, vergleichbar mit der VHS-Ästhetik. Ein japanischer Blog kommt zu einem ganz ähnlich nüchternen Schluss.
Stimmen direkt zur XZ-1
Tester von damals und heute sind sich zumindest in der Tendenz einig: Bei niedrigen ISO-Werten liefert die XZ-1 sehr gute Bildqualität — ausreichend für Drucke bis etwa 28 × 43 cm. The Phoblographer bezeichnete die RAW-Dateien der Kamera sogar als die vielseitigsten unter allen getesteten Kompaktkameras, mit der besten Farbtiefe und dem besten Dynamikumfang im Test. DPReview lobte besonders den knackigen „Natural"-Modus mit verlässlicher Belichtung und Weißabgleich. Und der bekannte Olympus-Blogger Robin Wong beschrieb die Farben 2022 rückblickend als wunderschön und kräftig, fast zu gesättigt — aber nie künstlich wirkend.
Wer fotografiert eigentlich mit der XZ-1?
Eine ehrliche Antwort vorweg: Weltberühmte Namen wie Steve McCurry oder Annie Leibovitz tauchen hier nicht auf — die XZ-1 war 2011 als Profi-Zweitkamera bzw. ambitionierte Amateur-Kamera positioniert, nicht als „Signature"-Kamera wie die Leica M. Es gibt aber ein paar Namen mit echtem Branchenbezug: Jeff Schewe, der unter anderem an den Adobe-Camera-Raw-Workflows mitgewirkt hat, rezensierte die Kamera 2011 für Luminous Landscape. Und der Reisefotograf Ibraar Hussain nutzte die XZ-1 laut einem Bericht auf Steve Huff Photo als Hauptkamera auf Expeditionen durch den Hindukusch und Punjab — klein und leicht genug, um sie immer dabeizuhaben, während seine Contax G2 und Fuji GA645 im Gepäck blieben.
Der Retro-Hype: Japan und der Westen
Besonders in Japan hat sich seit etwa 2022 ein regelrechter Trend um alte Kompaktdigicams entwickelt. Auf Social Media gelten sie als kompakt und niedlich, die damit gemachten Fotos als „emoi" — emotional, nostalgisch — ein bisschen wie der Lomo- oder Holga-Trend der frühen 2000er. Die Preise für gebrauchte CCD-Kameras sind dadurch spürbar gestiegen. Im Westen ist der Trend bislang kleiner und eher auf eine Sammler- und Enthusiasten-Szene begrenzt, existiert aber durchaus auch hier.
Mein Fazit
Die positive Wahrnehmung des CCD-Looks scheint mir, nach all dieser Lektüre, ehrlich geteilt — aber eben auch subjektiv. Ob es nun wirklich am Sensor liegt oder eher an der Bildverarbeitung jener Zeit und ein bisschen Nostalgie: Die XZ-1 bleibt für mich eine der spannendsten Kompaktkameras ihrer Generation. Und genau deshalb bin ich mit ihr weiterhin gerne unterwegs.
| Quelle | Link |
|---|---|
| Wikipedia (englisch) | en.wikipedia.org |
| Digitalkamera-Museum — Christian Zahn | digicammuseum.de |
| Photoscala | photoscala.de |
| TechRadar | techradar.com |
| DPReview | dpreview.com |
| dkamera.de | dkamera.de |
| life-y.tokyo | life-y.tokyo |
| Kakaku.com | kakaku.com |
| Luminous Landscape | luminous-landscape.com |
| The Phoblographer | thephoblographer.com |
| Robin Wong (Blog) | robinwong.blogspot.com |
| Digitaltrends-mag | digitaltrends-mag.de |
| Foto Zumstein | foto-zumstein.ch |
| Photrio (Forum) | photrio.com |
| Walking With Pics | walkingwithpics.co.uk |
| lcamtuf (Substack) | lcamtuf.substack.com |
| takblog | takblog.org |
| Mynavi | news.mynavi.jp |
| note.com | note.com |
| Cameraboy | cameraboy.jp |
| Active Gear Review | activegearreview.com |
| Steve Huff Photo | stevehuffphoto.com |